Sonntag, 4. Januar 2026
Die Raubtiere sind los
Das neue Jahr beginnt mit einem Knall: In der Nacht zum Samstag sind die USA in Venezuela eingefallen und haben den Regierungschef Maduro und seine Frau entführt. Sie wollen dort eine demokratische Regierung installieren. Allerdings sind gar keine Truppen im Land verblieben. Wie dann der Übergang unter Aufsicht der USA durchgeführt werden soll, bleibt deshalb unklar.

Doch wahrscheinlich geht es ihnen gar nicht so sehr um Demokratie. Venezuela hat die größten Ölvorkommen der Welt und hat amerikanische Unternehmen Anfang der 2000er enteignet. Trump will sich zurückholen, was ihm (den USA) gehört. Die Folgen seines Angriffs sind ihm egal. Auch nach Afghanistan und in den Irak wollten die USA die Demokratie bringen. Die Folgen sind bekannt.

Immerhin sind die USA heute weniger heuchlerisch. Beim Angriff auf den Irak haben sie bestritten, dass die Ölvorkommen des Landes eine Rolle spielen würden. Beim Angriff auf Venezuela ist ganz klar, dass die Ölvorkommen eine Rolle spielen. Die USA betreiben wieder eine rein egoistische Außenpolitik, wie sie diese auch schon nach dem zweiten Weltkrieg betrieben hatten. Nur in den letzten Jahren war es etwas ruhiger geworden, und man konnte meinen, die USA seien anständiger geworden. Dabei waren sie immer der Gegenspieler Russlands: Demokratischer, aber genauso skrupellos.

Doch warum erfolgt der Angriff gerade jetzt? Nun, hier folgt Trump einem Muster, dem bisher alle US-Präsidenten gefolgt sind. Wird der innenpolitische Druck zu stark, dann greift man im Ausland an, um die Reihen zu schließen. Und Trump ist innenpolitisch extrem unter Druck geraten: Die Epstein-Files, die Informationen über den Sexhändler und Pädophilen Epstein, mit dem Trump gut befreundet war, hätten bis zum 19. Dezember veröffentlicht werden sollen, wurden bisher aber nur teilweise veröffentlicht. Trumps Zölle haben (was Trump erstaunt) zu höheren Preisen in den USA geführt, was seinen Wählern gar nicht gefällt. Um von seinen eigenen Fehlern abzulenken, wird ein Sündenbock gesucht. Und Maduro, der sicherlich kein Vorbild an Moral ist, bot sich hier an.

Zusammenfassend kann man nur feststellen: Das Gesetz des Dschungels ist in die internationale Politik zurückgekehrt. Der Starke setzte sich durch, die Raubtiere sind los.
J.E.