Für mehr Diskriminierung in der Wirtschaft
Die Überschrift mag verwundern. Kann man wirklich mehr Diskriminierung fordern? Gibt es nicht sogar - und das völlig zu Recht - ein Gesetz, welches sich gegen Diskriminierung wegen des Geschlechts, der Hautfarbe oder der Religion fordert? Nun gut, bei Religion ist das Gesetz etwas nachsichtig, immerhin sollen die christlichen Unternehmen in Deutschland die Möglichkeit haben, Andersgläubige auszugrenzen.
Aber erst einmal ist Diskriminierung unmenschlich und sollte mit allen Mitteln bekämpft werden. Ohne Wenn und Aber.
Aber... keine Regel ohne Ausnahme.
Am gestrigen Freitag hat die EU-Kommission voller Stolz das mit Kanada ausgehandelte Freihandelsabkommen
CETA vorgestellt. Natürlich enthält dieses Abkommen auch einen Passus über geheime Schiedsgerichte, die verhandeln sollen, wenn Unternehmen meinen, dass sie im Partnerland benachteiligt, also diskriminiert würden. Und dies könnte bei der Kennzeichnung für die kanadischen Ölsande passieren.
Die Förderung des Öls aus Kanadas Sanden ist hochgradig umweltschädlich. Die EU hat deshalb ins Gespräch gebracht, dass diese Öle besonders
gekennzeichnet werden, damit der Kunde weiß, was er hier kauft. Das schmeckt den Ölunternehmen natürlich gar nicht. Nachher kauft niemand diese Öle, nur weil sie so umweltschädlich hergestellt werden. Die Ölindustrie fühlt sich von der EU diskriminiert - und wäre damit potentiell einer der ersten Kandidaten, die mal die Effektivität der geheimen Schiedsgerichte ausprobieren könnten. Frei nach dem Motto: Wenn ich meinen Müll nicht verkaufen kann, dann soll der Staat mich doch bitte dafür entschädigen.
Das erinnert an die Debatte über die Kennzeichnung von Gen-Nahrung. In der EU wird gentechnikfreie Nahrung gekennzeichnet. In den USA ist dies verboten. Die
Kennzeichung sei irreführend und erwecke den Eindruck, dass Gentechnik ein erhöhtes Risiko berge als nicht gentechnisch veränderte Nahrung, so der Industrieverband der Gentechniker. Deshalb wolle man den Verbraucher nicht verunsichern und verzichtet lieber auf die Kennzeichnung. Sie sei diskriminierend.
Doch der Verbraucher würde schon gerne wissen, welche Nahrung gentechnisch verändert ist und welche nicht. Und er würde schon gerne wissen, welche Produkte umweltschädlich hergestellt werden, und welche umweltschonend. Hält uns die Industrie diese Information vor, dann stört sie den Markt.
Ein Markt kann nur funktionieren, er kann nur frei einen fairen Preis finden, wenn alle Informationen allen bekannt sind. Hält eine Seite wichtige Informationen zurück, dann muss ein Markt versagen. Für diese Erkenntnis bekam der amerikanische Ökonom Joseph Stiglitz im Jahr 2001 den Nobelpreis. So neu ist die Erkenntnis also nicht.
Mit ihrer Forderung gegen Diskriminierung wollen die Unternehmen also ein Marktversagen herbeiführen, von dem alleine sie profitieren. Wenn die Kunden dumm gehalten werden, kann man ihnen jeden Preis abnehmen. Fair ist der sicherlich nicht.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir in der Wirtschaft endlich mehr Diskriminierung haben.
J.E.
red horse am 27. September 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
In Go(l)d We Trust
Der amerikanischen Zentralbank ist einmal, so geht die Geschichte, ein peinlicher Fehler unterlaufen: Anstatt "In God We Trust" auf die Dollarscheine zu drucken, habe man "In Gold We Trust" auf die Geldscheine gedruckt. Der Fehler fiel auf, und man habe die Scheine schnell vernichtet.
Schließlich hat Jesus Christus während seiner Zeit auf Erden eine klare Trennlinie zwischen religiösen und weltlichen Dingen gezogen. In
Matthäus 22:21 heißt es: "So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!" Weltliche Dinge haben in der Welt der Religion nichts zu suchen.
Nur scheinen gerade die Gralshüter der Religion damit wenig anfangen zu können - im Gegenteil. So zeigte die ARD Anfang dieser Woche eine beeindruckende Reportage, in der Journalisten versucht haben, den
Reichtum der Kirchen in Deutschland zu ermitteln. Doch während Konzerne ihre Bilanzen offenlegen müssen, kann die Kirche ihre Vermögen verschleiern. Und sie ist sich nicht zu schade, dieses Vermögen mit Hilfe von Briefkastenfirmen und anderen Tricks zu verbergen. So ist es nicht möglich, das Vermögen der Kirche in Deutschland anzugeben. Man kann es nur auf mehrere Milliarden Euro schätzen.
Die weltlichen Besitztümer scheinen der Kirche am Herz zu legen. Die Vatikanbank soll in den 1980er Jahren im Besitz eines Unternehmens gewesen sein, welches auch Kondome herstellte. Als dies öffentlich wurde, verkaufte die Kirche, die Verhütung verteufelt, diese Firma flugs an ein anderes Unternehmen. Welches auch der Kirche gehörte...
"Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt", wie es in der
Bibel heißt. Der Reichtum der Kirche stehe nicht im Widerspruch zu dieser religiösen Aufforderung zur Armut, wie Spötter meinen. Dadurch, dass sie den Reichtum der Welt aufsammele, ermögliche sie schließlich vielen Menschen den Weg in den Himmel...
Aber um weltlichen Reichtum und Macht geht es nicht nur den christlichen Kirchen. Auch den islamischen Fanatiker, die eine von der Religion bestimmte Welt anstreben, geht es nur um weltliche Macht. So hat die ISIS den Kampf im Irak und Syrien noch nicht gewonnen, aber schon einmal ein
Kalifat ausgerufen. Nicht die Seelen der Menschen interessieren diese "Religiösen", nur der schnöde Mammon zählt.
In God we trust, in Gold we trust. Einen wirklichen Unterschied gibt es hier nicht.
P.H.
red horse am 13. September 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
Der Geburtstag
Dieser Tage begehen wir einen Geburtstag. Genau genommen sind es sogar zwei Geburtstage: Der Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und der Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren.
Sicherlich gibt es schönere Gründe für eine Feier. Doch uns Menschen scheint dies zu genügen - und so feiern wir diesen "Geburtstag" entsprechen.
Die Ukraine versucht, sich aus dem Machtbereich Russlands zu entfernen - und bezahlt dafür. Separatisten im Osten der Ukraine bekämpfen die Regierung in Kiew. Erst vermutete man nur, dass Russland die Separatisten mit Waffen belieferte, nun scheinen
russische Truppen direkt in den Konflikt einzugreifen. Es häufen sich die Berichte, dass russische Soldaten in die Ukraine einmarschiert sind. Die Ostukraine wird sogar schon als Neurussland bezeichnet. Geschichte wiederholt sich.
Gleichzeitig kämpft die islamistische Terrorgruppe ISIS weiter für ihren Traum eines Kalifats im Nahen Osten. Millionen Menschen sind im Irak und Syrien
auf der Flucht vor einer Miliz, die sich gottesfürchtig und religiös gibt und damit zeigt, dass Religion nichts mit Menschlichkeit zu tun hat. Um das höhere Ziel eines reinen Gottesstaates zu erreichen, werden die Rechte der Menschen mit Füßen getreten. Das Leben eines Menschen ist weniger wert als das eines streunenden Hundes. Für Gott scheint der Mensch nichts anders als eine Kakerlake zu sein. Das Leid der Schützengräben und der Terror der "Übermenschen" waren nicht nur eine schreckliche Episode in der menschlichen Geschichte.
Zugleich beschossen sich für Wochen die Truppen
Israels und der Hamas im Gaza-Streifen. Seit einigen Tagen gibt es einen Waffenstillstand, der tatsächlich noch hält. Doch wir können schon jetzt prophezeien, dass es wieder zur kriegerischen Auseinandersetzungen kommen wird.
Geburtstage feiert man schließlich regelmäßig.
P.H.
red horse am 30. August 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
Ich glaube an die Deutsche Bank...
Es war im Jahr 1978 als Marius Müller Westernhagen mit seinem Lied "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" seinen ersten großen Hit hatte. Eine Liedzeile blieb in Erinnerung: "Ich glaube an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar."
Die Deutsche Bank und Geld sind eng verwoben. Was soll man von einer Bank auch anderes erwarten? Doch die Deutsche Bank scheint noch einen Schritt weiter zu gehen. Für sie ist Geld nicht nur Mittel zum Zweck, es ist der ganze Grund ihres Daseins. "Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles", wie es in Goethes Faust heißt. Und ganz besonders das Handeln der Manager der Deutschen Bank.
So gibt es keinen Finanzskandal in den letzten Jahren, bei dem die Deutsche Bank nicht irgendwie beteiligt war. Waren es nun die fragwürdigen
Hypotheken-Geschäfte oder die
Manipulation des Libor. Überall, wo Geld zu machen war, hatte die Deutsche Bank ihre Hände im Spiel. Und wenn es eben dreckiges Geld war, dann war man auch nicht zu pingelig. Denn wie sagte schon der römische Kaiser Vespasian? "Geld stinkt nicht". Es ist völlig egal, aus welcher Ecke es kommt, Hauptsache ist, es kommt.
Moral scheint bei der Deutschen Bank ein eher esoterischer Begriff zu sein, mit dem man sich nicht weiter beschäftigt. Diese Einstellung scheint bis in den Vorstand zu reichen - und im Allgemeinen stinkt ein Fisch ja auch vom Kopf her. Jedenfalls will die Staatsanwaltschaft nun
Anklage gegen den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Fall erheben. Ebenfalls wird untersucht, Fitschens Vorgänger Breuer und Ackermann anzuklagen. Zumindest Ackermann weiß ja schon, wie so ein Gerichtsverfahren abläuft.
Gerüchteweise ist die Deutsche Bank momentan weltweit in 1000 Prozessen verstrickt. Zumeist hat sie versucht, ihre Kunden zu eigenen Vorteilen über den Tisch zu ziehen. Verkaufte die Deutsche Bank Drogen, dann wäre die Justiz schon längst gegen sie als kriminelle Organisation eingeschritten. Aber solange es nur ums Geld geht...
Deshalb sollte man an die Deutsche Bank glauben. Sie wird nicht untergehen. Unkraut vergeht nicht.
J.E.
red horse am 15. August 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
Der Kreuzzug der Konservativen
Es herrscht Krieg. Nicht nur im Nahen Osten, an den Grenzen des Russischen Reiches oder irgendwo in Afrika - da erwartet man ja geradezu, dass Krieg herrscht, nein es herrscht Krieg in den westlichen Demokratien.
Erst diese Woche haben die Republikaner in den USA eine neue Waffe aus dem Köcher geholt: Sie haben im Repräsentantenhaus mit ihrer Mehrheit entschieden, den demokratischen Präsidenten
Obama zu verklagen. Er habe bei der Gesundheitsreform seine Befugnisse überschritten.
Schon Jahre läuft der Krieg der Rechten gegen die Gesundheitsreform in den USA, die den Amerikaner einer Gesundheitsversorgung näher bringen soll, wie man sie in Europa seit Jahren kennt. Erst zogen sie vor das Oberste Gericht. Als dieses nichts an der Reform
auszusetzen hatte, bekämpfen sie nun den Präsidenten direkt. Denn wenn die Welt nicht so ist, wie sie sich die Konservativen vorstellen, dann muss die bekämpft werden. Mit allen Mitteln.
Man kannte das schon von Clinton. Ihn wollte man wegen eines Seitensprungs seines
Amtes entheben. Das Verfahren wurde eingeleitet, war dann aber nicht erfolgreich. George W. Bush, der in seinem Kampf gegen Terror sogar die Menschrechte mit Füßen trat, hatte nie so einen starken Gegenwind zu ertragen. Denn die Stärke des Gegenwindes hängt nicht von dem ab, der im Wind steht, sondern vom dem, der bläst.
Die Konservativen leiden offenbar nicht unter einen zu geringen Selbstbewusstsein. Ihre Sache muss richtig sein - sonst würde sie sie ja nicht vertreten. Alle anderen müssen Unrecht haben. Und mit der Macht des rechten Glaubens schlagen sie alle in die Flucht, die anderen Glaubens sind. Ein Kreuzzug gegen Andersgläubige.
Ähnlich geht auch die CSU in Deutschland vor - auch wenn sie, was die Schärfe des Vorgehens angeht, noch etwas von ihrer großen Schwestern jenseits des Atlantiks lernen kann. Wegen der dusseligen Autobahnmaut für Ausländer stellt sie nun die
Koalition in Frage. Die Maut muss kommen, sonst wird die Koalition beendet. So stehe das schließlich im Koalitionsvertrag.
Dabei steht im
Koalitionsvertrag "Deutschlands Zukunft gestalten" zur Maut:
"Zur zusätzlichen Finanzierung des Erhalts und des Ausbaus unseres Autobahnnetzes werden wir einen angemessenen Beitrag der Halter von nicht in Deutschland zugelassenen PKW erheben (Vignette) mit der Maßgabe, dass kein Fahrzeughalter in Deutschland stärker belastet wird als heute. Die Ausgestaltung wird EU-rechtskonform erfolgen."
Im Koalitionsvertrag geht es um eine Autobahnmaut, nicht um eine
Infrastrukturabgabe, die Verkehrsminister Dobrindt vorgestellt hat. Diese betrifft nämlich alle Straßen, was weit über die Anforderung des Koalitionsvertrages hinaus geht. Aber was sollte er machen: Nachher hätten sich die Deutschen, die praktisch nie Autobahn fahren, beschwert, dass sie eine Maut bezahlen sollen. Und das hätte Ärger gegeben...
Dass Dobrindts Vorschlag überhaupt EU-rechtskonform ist, muss sich noch zeigen. Aber der bayerische Löwe brüllt schon mal, dass die Koalition scheitert, wenn sie nicht kommt.
Aber vielleicht will er ja auch nur von eigenen Fehlern ablenken. Dafür waren Kreuzzüge ja schon immer gut.
P.H.
red horse am 01. August 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
Unser Team verliert
Die Überschrift scheint nicht richtig zu sein. Hat das deutsche Team nicht gerade die
Fußballweltmeisterschaft in Brasilien gewonnen? Als erste europäische Mannschaft auf dem südamerikanischen Kontinent überhaupt?
Aber dieses Team ist gar nicht gemeint. Im Taumel der langen Party haben wir die vielen Konflikte auf unserer Erde für einige Tage vergessen - und diese Woche sind sie mit großer Macht in unser Bewusstsein zurückgekommen. Der nie enden wollende Krieg in Palästina ist wieder entbrannt. Die Hamas schoss Raketen auf Israel, die Israelis haben nun
Bodentruppen nach Gaza geschickt.
In der Ostukraine kämpfen die Separatisten weiter gegen die ukrainische Armee - und diese Woche fiel ein Flieger der
Malaysia Airline vom Himmel, wahrscheinlich abgeschossen. Welche Kriegsseite auch immer den Flieger traf - 298 Menschen bezahlten dies mit ihrem Leben.
In diesem Jahr gedenken wir den 100. Jahrestag des Beginns des ersten Weltkriegs und 75. Jahrestag des Beginns des zweiten Weltkriegs. Krieg kann nur zerstören, er kennt keine Gewinner. Dies sollten eigentlich die Lehren der Geschichte sein. Doch die Geschichte scheint uns nichts zu lehren.
Der Mensch, so unken viele, wird sich wohl irgendwann selber umbringen. Entweder durch Kriege, in denen er sich wie Vieh über den Haufen schießt, oder durch die Verschmutzung der Umwelt, bei der er mit unbeschreiblicher Naivität Gifte freisetzt, die ihm letztlich selber schaden.
Die Natur wird das nicht weiter stören. Sie wird auch ohne den Menschen weiter machen. Objektiv gesehen mag es sogar ein Vorteil für die Erde sein, wenn der Mensch nicht mehr existiert.
Doch subjektiv bedauert man dies. Man ist schließlich ungern ein Teil des verlierenden Teams.
J.E.
red horse am 19. Juli 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
Wer lebt, ist schon verdächtig
Der Feind lauert überall. Und das Schlimme ist: Man sieht einem Verbrecher selten an, dass er ein Verbrecher ist. Nur wenige haben einen kalten Blick und ihr Gesicht ist von Narben zahlreicher Kämpfe entstellt. Die meisten kleiden sich in teuren Anzügen wie Banker. Und viele von ihnen sind Banker.
Aber was ist mit dem ganzen Rest, den man nicht identifizieren kann? Man muss ihn überwachen. Den ganzen Rest. Die ganze Bevölkerung. Das war schon der Stasi bewusst.
Die NSA tut gerade alles, um der Stasi als totalitäres Überwachungsorgan den Rang abzulaufen. Diese Woche wurde bekannt, dass die NSA neben der Bundeskanzlerin auch einen
deutschen Programmierer gezielt ausspäht, der sich mit Verschlüsselungssoftware beschäftigt. Denn wer etwas verbergen will, muss doch auch etwas zu verbergen haben. Wehret den Anfängen!
Und zugleich weiß nun jeder, dass man sich gar nicht erst verdächtig verhalten soll, wenn man nicht auf die Liste der potentiellen Staatsfeinde kommen will. Die Demokratie wird nicht abgeschafft. Man setzt nur die unter Druck, die doch tatsächlich die von der Demokratie versprochenen Freiheiten ausleben wollen.
Und manchmal geht selbst der Staat in die Irre. Statt der NSA zu danken, dass sie uns vor der Demokratie und denen beschützt, die diese schamlos ausnützen, setzt der deutsche Staat auch noch einen Untersuchungsausschuss ein, der das Verhalten der NSA untersuchen soll. Als wenn die Polizei des Planeten eine Überwachung bräuchte!
Deshalb hat die NSA gleich mal dafür gesorgt, dass diese
Fehlgeleiteten überwacht werden. Sie hat sich mit Hilfe eines BND-Mitarbeiters über die geheime Arbeit des Ausschusses informieren lassen. Schließlich kann man nicht zulassen, dass ein paar fehlinformierte Politiker allein aus Publicity-Gründen die gute Arbeit der NSA beschädigen.
Der demokratische Staat ist das Beste, was uns passieren konnte. Und wir verteidigen dieses Paradies, selbst wenn wir es mit einem Bombenteppich belegen müssen.
Wie hieß es schon bei Dante? Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.
P.H.
red horse am 05. Juli 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
Wir sind stolz, Analphabeten zu sein
Der Mensch ist stolz, auf seine Zivilisation, auf seine Kultur. Goethe und Schiller, Shakespeare und Molière, van Gogh und Rembrandt, Beethoven und Mozart - wer könnte die Helden der menschlichen Kultur nicht zumindest benennen? Wer mit diesen Namen nichts anfangen kann, der wird schräg angesehen. Der will ein kultivierter Mensch sein?
Doch wie steht es mit Shockley, Faraday und Snell? Wer kann mit dem Erfinder des Transistors, dem Entdecker der Induktion und dem Entdecker des Brechungsgesetzes etwas anfangen? Was ist Induktion überhaupt?
Machen Sie sich keine Gedanken. Wer keine Ahnung von den Naturwissenschaften hat, muss nicht befürchten, dass man ihn für einen unkultivierten Deppen hält. Im Gegenteil: Gerade in den kultivierten Kreisen
gilt es als fein, rein gar nichts von Technik und Wissenschaft zu verstehen, so wie man als Gentleman auch nichts von Sozialhilfe oder der Münchner Tafel wissen sollte.
Diese Woche gab es zwei Auktionen, die dies wunderbar belegen: Die Briefmarke "British Guiana" ein 2,5 Zentimeter mal 3,2 Zentimeter großes, rötliches Stück Papier wurde für
9,5 Millionen Dollar versteigert. Der von Jack Kilby gebaute erste Prototyp des integrierten Schaltkreises erreichte hingegen noch nicht einmal das
Mindestgebot von einer Millionen Dollar.
Bei der Briefmarke mag es sich um ein kleines Kunstwerk handeln, beim Mikrochip jedoch um die Basis der Technik, die heutige Computer ermöglicht, Smartphones, Fernseher, Waschmaschinen, kurz: Alle Technik, mit der wir uns heute umgeben.
Es ist, als habe man mit diesem Mikrochip das erste Rad der Menschen verkaufen wollen, das erste geschriebene Wort der menschlichen Zivilisation. Doch das findet kein Interesse. Wir nutzen die Technik gerne, doch eigentlich wollen wir nichts mit ihr zu tun haben, so als handele es sich um eine schwere Krankheit, mit der man sich nicht anstecken möchte. Und so hüten wir uns vor ihr, und sind auch noch stolz darauf, technische Analphabeten zu sein.
Aber vielleicht liegt der Grund in unserem verletzten Ego. Schließlich zeigt die Technik uns jeden Tag aufs Neue unsere Grenzen (sonst müssten wir sie ja nicht einsetzen), während die Kunst uns vorspielt, wir könnten - einem Gott gleich - alles erreichen.
P.H.
red horse am 21. Juni 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
Systemversagen
Diese Woche war Weihnachten - zumindest für die Spekulanten. Die Europäische Zentralbank senkte den
Leitzins auf 0,15% - ein historisches Tief. So billig kamen Banken noch nie an Kredite, um sich zu finanzieren. Das Ziel ist klar: Noch immer leidet vor allem die Wirtschaft in Südeuropa unter den Folgen der Finanzkrise des Jahres 2008. Noch immer kommt bei den Firmen in diesen Ländern kaum Geld an, welches sie dringend für Investitionen brauchen. Und das, obwohl die Zinsen in Europa schon seit Jahren historisch niedrig sind.
Die Logik scheint klar: Die Zentralbank vergibt billige Kredite, damit die Banken das Geld an die Privatwirtschaft weitergeben, die mit dem Geld investiert und damit die Wirtschaft wieder antreibt. Nur die Banken geben das Geld nicht weiter. Sie horten es selber, nutzen es, um zu spekulieren (die Aktienstände erreichen
neue Höchststände), und das, was sie nicht im Casino anlegen, bringen sie zurück zur EZB und kassieren dafür auch noch Zinsen. Die sind zwar gering, aber immer noch besser, als das Geld kriselnden Privatunternehmen zu geben.
Das will die EZB nun verhindern. Wird Geld bei der EZB geparkt, dann sollen die Banken nun darauf einen Strafzins von -0,1 Prozent zahlen. Außerdem stellt die EZB 400 Milliarden Euro verbilligtes Geld für die Banken in Aussicht, die die Privatwirtschaft unterstützen. Wobei "unterstützen" schon bedeutet, dass sie in den nächsten Jahren ihr Kreditvolumen an die Privatwirtschaft weniger stark verringern als in den letzten Jahren.
Das System der Zentralbanken geht unter anderem auf eine Idee des englischen Geschäftsmanns Walter Bagehot zurück, der im 19. Jahrhundert lebte. Er stellte sich vor, dass es eine Zentralbank geben sollte, die bei Wirtschaftskrisen, in denen die Privatbanken keine Kredite mehr geben, als "Lender of Last Resort", als Verleiher der letzten Zuflucht, tätig sein solle. Diese Zentralbank sollte die Kredite direkt an die Privatwirtschaft geben, die sie ja brauchte. Doch stattdessen geben unsere Zentralbanken das Geld den Privatbanken - die ja gar keine Lust haben, das Geld an die Wirtschaft weiterzuleiten, wie die EZB nun auch - nach knapp sechs Jahren - festgestellt hat, sondern es lieber nutzen, um auf eigene Kosten zu spekulieren.
Unser Zentralbanksystem gleicht einem Arzt, der seinen Patienten helfen will. Doch anstatt die Medikamente direkt dem Patienten auszuhändigen, überreicht er diese Drogenabhängigen, in dem Vertrauen, dass die all die Schmerzmittel und anderen Stoffe schon in vollem Maße an die Kranken weiterreichen werden.
Dass dies nicht funktioniert, hat die EZB nun endlich verstanden. Doch einen tiefgreifenden Systemwechsel wird es nicht geben. Immerhin sind die Banker diejenigen, die die Politik beraten, wenn es um Geldangelegenheiten geht.
Und welcher Junkie wird schon freiwillig auf seinen Stoff verzichten?
J.E.
red horse am 07. Juni 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
Kampf dem Monster
Morgen können wir wieder wählen. Gut, in den letzten Jahren hatten die Wahlen besonders in Bayern eher etwas symbolisch: Egal welche Skandale aufgedeckt werden, in denen die Granden der CSU verstrickt sind, die CSU bleibt an der Macht, da hilft auch keine Wahl. Und an der Macht sorgt sie weiter für Skandale. Warum sollte sie auch ihr Verhalten ändern, wenn es eh keine Konsequenzen hat?
Doch diesmal ist es anders. Diesmal ist der Wahlkampf spannend, schließlich geht es um ein Monster, dass uns alle zu versklaven sucht: Es geht um Europa. Also, gegen Europa. Zumindest weisen uns alle Politiker, von rechts bis links, darauf hin, dass Europa etwas ganz Schlechtes ist. So will sich Europa in jedes Detail unseres Lebens einmischen, man denke nur an die berühmte
Gurkenverordnung, in der Europa vorgeschrieben hat, wie krumm Gurken sein dürfen. Oder die Zulassung von
Genmais, durch die EU, die doch keiner wollte. Oder die
Zuwanderung von Armen aus ganz Europa, der sich die CSU mit ihrem Slogan "Wer betrügt, fliegt" entgegenstellt.
Es ist schon ein Kampf mit Europa, dem sich die nationalen Politiker unerschrocken stellen. Fast bekäme man den Eindruck, uns allen würde es besser gehen, gäbe es Europa nicht.
Doch tatsächlich würde es uns besser gehen, gäbe es die verlogenen Politiker nicht. Alle Entscheidungen in Europa werden von den nationalen Politikern mitgetragen oder gar getroffen. Sich nachher hinzustellen und sich darüber zu beschweren, ist einfach nur Heuchelei. Die Gurkenverordnung beruhte auf Interessen der Industrie, die mehr Gurken in eine Kiste packen wollte, weshalb sie möglichst gerade sein mussten, der Genmais wurde mit Zustimmung der Bundesregierung zugelassen - und nun will sie ihn in einem heroischen Kampf gegen die EU im
Inland verbieten lassen. Und Europa ist kein Hort von Armutszuwanderern, sondern profitiert von den vielen Arbeitssuchenden, die die offenen Stellen in Deutschland besetzen und das Wachstum der deutschen Wirtschaft ermöglichen. Unter diesen Zuwanderern mag es auch Betrüger geben, die den Staat ausnehmen. Doch wollte man alle Betrüger aus Deutschland herausschmeißen, dann hätte die CSU arge Probleme, noch Kandidaten für die Wahlen in Bayern aufzustellen.
Europa ist kein Monster, und wenn, dann ein Monster, dass für die Interessen der Verbraucher eintritt. Denn die EU hat verfügt, dass die überteuerten Roaming-Gebühren für Handygespräche sinken müssen, bald sollen sie
ganz abgeschafft werden. Und in Europa gilt das
Vorsorgeprinzip. Während in den USA neue Produkte und Chemikalien einfach auf den Markt gebracht werden dürfen, und man dann schaut, was sie anrichten, müssen Firmen in Europa erst einmal zeigen, dass die Chemikalien und Produkte ungefährlich sind. Das schränkt die Freiheiten der Unternehmen natürlich ein, die sonst aus Scheiße Gold machen konnten.
Und vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum unsere von den Firmen gesponserten Parteien so gegen Europa stänkern.
P.H.
red horse am 24. Mai 14
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren