Ein großes Problem im Straßenverkehr ist das Rechtsabbiegen: Autos wollen schnell um die Kurve, Radler wollen schnell über die Straße, und da kommt es schon einmal zu einem Unfall, weil der Autofahrer nicht immer daran denkt, dass er nicht alleine auf weiter Flur ist. Das muss ihn aber nicht stören: In der Regel ist bei diesem Unfall der Radler stärker beschädigt als das eigene Auto, so dass zumindest er die Fahrt bald wieder fortsetzen kann.
Natürlich kann es die Politik nicht zulassen, dass Radler häufig in Unfälle verwickelt sind. Die Stadt München hat sich deshalb etwas Innovatives einfallen lassen: Bewegt man sich von Osten kommend auf der Bad-Schachener-Straße auf den Innsbrucker Ring zu (ein Teil des Mittleren Rings, auf den die Autofahrer schnell kommen wollen), dann findet man auf dem Radweg nun rote Hinweise, die deutlich machen, dass bald eine Kreuzung kommt, man bremsbereit sein soll, und die Gefahr besteht, dass rechts abbiegende Autos die Bahn des geradeaus fahrenden Radlers kreuzen könnten – mit den dann leicht verständlichen Konsequenzen.
Die Autofahrer nehmen keine Rücksicht, also sorgt man dafür, dass die Radler rücksichtsvoller fahren. Wir leben halt mittlerweile in einer Gesellschaft, in der die Rücksichtslosen die Regeln vorgeben, und die Rücksichtsvollen sich unterzuordnen haben.
Immerhin ist München da konsequent: Im
Jahr 2018 hat sie aufgehört, sich als „Radlhauptstadt“ zu bezeichnen, schließlich gehört München sicherlich nicht zu den fahrradfreundlichsten Städten Deutschlands. Und nun zeigt sie deutlich, dass sie eine Autohauptstadt ist, in der Radl sich unterzuordnen haben.
P.H.
red horse am 18. Juli 26
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