Freitag, 5. Juni 2026
Appell an den Eigennutz
Man kennt die Probleme: Den Sozialsystemen fehlt das Geld, die Infrastruktur braucht riesige Investitionen, doch die Steuereinnahmen bringen nicht genug ein – gleichzeitig steigt die Zahl der Superreichen. Nur etwa 5000 Familien besitzen in Deutschland ein Viertel des Finanzvermögens.

Man kennt die Tricks der Reichen zur Steuervermeidung. Viele Anwälte und Steuerberater haben sich darauf spezialisiert, für ihre reiche Klientel die Steuerlast deutlich zu senken. Und ein besonderer Trick ist die Gründung einer Familienstiftung, die ihre Geschäfte nur macht, um die reichen Familien mit Geld zu versorgen.

Der Vorteil dieser Stiftungen ist, dass sie nur 15 Prozent Steuern zahlen. Selbst die Kapitalertragssteuer, die ein Mensch zahlen muss, liegt bei 25 Prozent. Und es wird auch keine Erbschaftssteuer fällig. Es gibt allerdings alle 30 Jahre eine Ersatzsteuer. Die wird aber nur fällig, wenn man flüssig ist. Ein geschickter Berater kann sie leicht umgehen. So bliebt das Geld in der Familie und wird nicht vom bösen Staat abgezogen. Wie viel Geld in Familienstiftungen schon gebunkert ist, weiß niemand.

Dabei sollte jeder nach seinen Möglichkeiten mithelfen, den Staat zu finanzieren. Doch die Reichen nehmen sich ein besonderes Recht heraus: Sie wollen von einem funktionierenden Staat profitieren und hier ihre Geschäfte machen, haben jedoch keine Lust, sich an der Finanzierung des Staates zu beteiligen. Die Kosten soll gerne die Allgemeinheit tragen – also alle, außer den Reichen. Die Gewinne jedoch sollen nur in den Schatullen der Reichen landen.

Mit einer wachsenden Ungleichheit, geht ein Staat aber zugrunde. Und oft kommen auch die Reichen dann nicht ungeschoren davon. Aber auch dieser Appel an ihren Eigennutz wird ihren Egoismus wohl nicht beenden können.
P.H.